Schmerzlinderung
SCHMERZEN BEI KINDERN – TIPPS FÜR IHRE BERATUNG IN DER SELBSTMEDIKATION
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Schmerzen bei Kindern können eine bekannte Ursache haben, wie zum Beispiel ein aufgeschlagenes Knie nach einem Sturz beim Spielen. Oder bei einem grippalen Infekt, Hals- oder Gliederschmerzen etwa. Schmerzen bei Kindern mit einer auf den ersten Blick unbekannten Ursache bedürfen häufig viel Feingefühl und Aufmerksamkeit der Eltern.
Denn Kinder drücken mit unterschiedlichen Beschreibungen und Verhaltensweisen ihre Schmerzen aus. Je nach Alter können Kinder ihre Schmerzen nicht beschreiben wie Erwachsene. Welche Verhaltensweisen auf Schmerzen bei Kindern hinweisen, wann Sie im Beratungsgespräch einen Arztbesuch anraten sollten und welche Arzneimittel Sie in der Selbstmedikation empfehlen können, lesen Sie hier.
Was deutet bei Kindern auf Schmerzen hin?
Ist die Ursache von Schmerzen bei Kindern nicht sofort ersichtlich, bedarf es einer genauen Beobachtung durch die Eltern. Denn häufig beschreiben Kinder einen möglichen Schmerz nicht wie wir Erwachsene. Sondern sie zeigen ihren Schmerz durch unterschiedliche Verhaltensweisen und Verhaltensänderungen.
Weinen, Schreien oder Stöhnen gehören hierbei zu den offensichtlichen Verhaltensweisen, welche auf Schmerzen bei Kindern hinweisen können. Das feinfühlige Gespür der Eltern ist schon bei den kleinsten Verhaltensveränderungen gefragt, denn ein Hinweis auf Schmerzen können Ablenkung, häufigere Ruhepausen, ein veränderter Appetit oder auch eine Schonhaltung von Körperteilen, wie zum Beispiel dem Kopf, den Ohren oder dem Bauch sein.
Die deutsche Schmerzgesellschaft e. V. berichtet:
„Im Schnitt leidet jedes fünfte Kind mindestens einmal pro Woche unter Schmerzen – am häufigsten Kopfschmerzen, gefolgt von Bauch- und Rückenschmerzen.“
Der Schmerzgesellschaft zufolge belasten diese Beschwerden die Kinder meistens kaum. Sie wenden automatisch Schmerzbewältigungsstrategien an, wie zum Beispiel Ablenkung und das Einlegen von Ruhepausen.
Wann zum Arzt bei Kinderschmerzen?
Kopfschmerzen, Ohrenschmerzen, Muskelschmerzen, Bauchschmerzen, Gelenkschmerzen, Halsschmerzen, Zahnschmerzen, Rückenschmerzen und viele Schmerzarten mehr – Schmerz als Symptom kann Ursache für unterschiedliche Erkrankungen und Verletzungen sein.
Bei akuten Verletzungen, wie zum Beispiel einem Armbruch, ist der Schmerz mit einer Schädigung des Bewegungsapparats assoziiert. Bei Erkrankungen mit Beteiligung des Immunsystems treten häufig Schmerzen in Verbindung mit Fieber auf.
Haben Kinder Schmerzen, sollte ein Arzt unter anderem aufgesucht werden bei
- akuten starke Schmerzen,
- stark aufgeblähtem Bauch,
- wiederholtem Erbrechen,
- Fieber über 38,5 °C,
(bei Kindern unter drei Monaten bereits ab 38 °C,) - Fieber mit Schüttelfrost,
- Hautausschlag,
- apathischem Verhalten,
- erkennbarer Schonhaltung,
- Nackensteifigkeit und Kopfschmerzen,
- wenn die Schmerzen sich nicht bessern oder
- wenn Schmerzen häufiger auftreten.
Im individuellen Zweifelsfall sollte immer der Kontakt zum Arzt gesucht werden.
Mehr über Schmerzen bei Kindern:
Besonderheit Wachstumsschmerzen
Wachstumsschmerzen treten bei etwa einem Drittel der Kinder ab dem Grundschulalter auf. In einigen Fällen können sie bereits bei Kleinkindern in Erscheinung treten und bis in die Pubertät andauern. Wachstumsschmerzen zeichnen sich unter anderem durch einen dumpf drückenden Schmerzcharakter aus. Die meisten Kinder spüren die Schmerzen in den Beinen, in der Regel beidseits auf Höhe der Kniegelenke oder im Fuß-Knöchel-Bereich. Gelegentlich verstärken sich die Beschwerden nach Anstrengungen und auch die Schmerzintensität und Schmerzhäufigkeit kann stark variieren.
Wachstumsschmerzen werden heute durch den Ausschluss anderer, schwerwiegender Erkrankungen diagnostiziert – eine Ausschlussdiagnose. Vor dem Gespräch mit dem Arzt können die Eltern entsprechende Symptome und Begleitbeschwerden protokollieren, um mit einem detaillierten, umfassenden Beschwerdebild für das Gespräch vorbereitet zu sein.
Bauchschmerzen – manchmal mehr als nur ein Drücken im Bauch
Bauchschmerzen bei Kindern können unterschiedliche Ursachen aufweisen. Oft stecken Blähungen oder eine Verstopfung dahinter. Vorsicht ist geboten vor einer Blinddarmentzündung. Denn gerade Babys und Kleinkinder können Bauchschmerzen noch nicht adäquat beschreiben und lokalisieren.
Ein entzündeter Blinddarm ist nicht klar von zum Beispiel ernährungsbedingten Bauchschmerzen zu unterscheiden. Daher ist die Vorstellung beim Arzt wichtig, gerade und vor allem auch bei Bauchschmerzen in Verbindung mit Fieber und/oder einem allgemeinen verschlechterten Gesundheitszustand.
Schmerzlinderung bei Kindern
Schmerzen bei Kindern können vielfältige Ursachen haben. Und wie Kinder die Schmerzen empfinden und mit ihnen umgehen, ist individuell – genauso individuell sollten die Eltern die Beschwerden im Auge behalten und einschätzen. Sie entscheiden, ob ein Arzt aufgesucht werden muss oder ob sie die Schmerzlinderung – für wenige Tage und unter Beobachtung – im Rahmen der Selbstmedikation durchführen.
Selbstmedikation mit Schmerzmitteln: Was kann man Kindern bei Schmerzen geben?
Paracetamol ist für Kinder eines der klassischen Schmerzmittel in der Selbstmedikation. Paracetamol kann als Lösung oder als Zäpfchen angewendet werden. Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht des Kindes in Kilogramm.
Ibuprofen, ein weiteres Schmerzmittel der Selbstmedikation, steht für die Kleinsten als Saft oder Zäpfchen und für Kinder ab sechs Jahren auch als Schmelztablette zur Verfügung. Die Dosierung erfolgt, wie bei Paracetamol, nach Körpergewicht des Kindes in Kilogramm.
Achtung! Acetylsalicylsäure nicht für Kinder geeignet!
Acetylsalicylsäure, abgekürzt ASS, ist für Kleinkinder als Schmerzmittel in der Selbstmedikation kontraindiziert und somit nicht geeignet. Hierbei kann eine sehr seltene, aber lebensbedrohliche Erkrankung auftreten: das Reye-Syndrom.
“Man geht davon aus, dass kombinierte Effekte von Virus und ASS die Mitochondrien von Leber, Gehirn und Muskulatur schädigen. Sehr selten kann das Reye-Syndrom auch ohne vorherigen Infekt auftreten.“
Dr. Christian Kretschmer
Die Ursache für das Reye-Syndrom ist bisher unbekannt, aber möglicherweise wird es durch eine Virusinfektion und die Einnahme von ASS ausgelöst.
Pflanzliche Unterstützung bei Schmerzen im Kindesalter
Kühlende Umschläge können sehr gut zur äußerlichen Anwendung bei stumpfen Verletzungen angewendet werden und lindern Schmerzen sowie Schwellungen. Salben oder Gele mit Arnika sind bei stumpfen Verletzungen für Kinder ab einem Jahr bewährt. Für Kinder ab sechs Jahren kann die Creme mit dem pflanzlichen Wirkstoff des sogenannten Trauma-Beinwells äußerlich angewendet werden.
Alternativmedizin
Auch homöopathische und andere alternativmedizinische Präparate haben ihren Platz in der Apotheke, obwohl für ihren Nutzen der wissenschaftliche Nachweis fehlt. Aktuell wissen wir: Homöopathische Präparate wirken nicht über den Placebo-Effekt (beziehungsweise bei Kindern Placebo by Proxy) hinaus. Das heißt jedoch nicht, dass sie gar nicht wirken – der Placebo-Effekt ist nicht zu vernachlässigen. Wenn jemand also gezielt nach einem alternativmedizinischen Präparat fragt, das bislang gut bei Schmerzen geholfen hat, und wenn ernsthafte Ursachen ausgeschlossen sind, könnten Sie kaum etwas Nebenwirkungsärmeres abgeben. Bei einer offenen Frage nach Ihrem Rat geben Sie mit evidenzbasierten Präparaten jedoch die bessere Empfehlung.
Anm.d.Red.
Bei schmerzhaften Verspannungen der Muskeln kann bei Kindern ab sechs Jahren eine ölige Einreibung mit Aconitum für eine sanfte Schmerzlinderung sorgen.
Schüßler Salze können bei Schmerzen zusätzlich unterstützen. Zum Beispiel hat sich das Schüßler Salz Nr. 7, Magnesium phosphoricum, unter anderem bei Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und bei krampfartigen Schmerzen bewährt. Bei erkältungsbedingten Schmerzen in Kopf und Gliedern ist es die Kombination der Schüßler Salze Nr.3, Ferrum phosphoricum, Nr. 6, Kalium sulfuricum, und Nr.7, Magnesium phosphoricum.
Beim Zahnen sind für Kinder ab 4 Monaten homöopathische Globuli, Streukügelchen, mit unter anderem Matricaria recutita beliebt. Diese Streukügelchen werden bei den Kleinsten direkt auf die Zunge gegeben und lösen sich innerhalb kurzer Zeit im Speichel auf.
Individuell beraten
Schmerzen bei Kindern können sehr vielfältig sein – in den Ursachen, in der Behandlung, darin, wie Kinder sie äußern. Mit unterschiedlichen Mitteln können Sie in Ihrer Beratung Empfehlungen zur Schmerzlinderung geben. Außerdem können Sie Hilfe bei der Entscheidung geben, ob Kinder bei Schmerzen einem Arzt vorgestellt werden.
Quellen:
Ude, Ude, Schäfer, Pädiatrische Pharmazie, Handbuch für die Weiterbildung der PädiaAkademie, Deutscher Apotheker Verlag, 1.Auflage 2019
Mutschler, Geisslinger, Menzel, Ruth, Schmidtko Pharmakologie kompakt, Allgemeine und Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 1.Auflage 2016
https://www.schmerzgesellschaft.de/patienteninformationen/besonderheiten-bei-schmerz/schmerz-bei-kindern
https://www.ratiopharm.de/ratgeber/schmerzen/schmerzen-bei-kindern.html
https://www.aok.de/pk/magazin/familie/kinder/wachstumsschmerzen-bei-kindern-experte-sagt-was-dagegen-hilft/
https://www.nurofen.de/produkte/kinder/
https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/reye-syndrom#Pathogenese
https://www.dhu.de/schuessler-salze/schuessler-salze-kuren
https://www.osanit-osa.de/produkte/osanit-streukuegelchen/
https://traumaplant.de/produkt/traumaplant-schmerzcreme.html