Eine Person in Handschuhen und Kittel sitzt vor einem Laptop und hält ein Klembrett mit Diagrammen. Daneben steht ein Reagenzglashalter mit verschiedenen farbigen Flüssigkeiten.© Wasan Tita/iStock/Getty Images Plus
Zwei kleine Proben und schon kann Fibromyalgie in Labortests diagnostiziert werden: Darauf arbeiten Würzburger Wissenschaftler hin.

Schlüsselmoleküle

FIBROMYALGIE: BALD DIAGNOSTIK DURCH BLUTTEST?

Fibromyalgie ist eine chronische Erkrankung, die mit dauerhaften Schmerzen, Erschöpfung und oft hohem Leidensdruck verbunden ist. Weil die Ursachen weitgehend unbekannt sind, gestaltet sich die Diagnostik schwierig. Aber das könnte sich bald ändern.

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Bis zu drei Prozent der Bevölkerung leiden unter Fibromyalgie. Schmerzen in unterschiedlichen Körperregionen, chronische Erschöpfung, Schlaf- und Konzentrationsprobleme begleiten Betroffene täglich. Oft werden die Beschwerden nicht ernst genommen oder auf psychische Ursachen zurückgeführt, einen eindeutigen Test gibt es bisher nicht. Das erschwert die Diagnostik erheblich.

Bisher können lediglich die Symptome der Fibromyalgie behandelt werden, über die Ursachen weiß man wenig. Forschende des Uniklinikums Würzburg wollen das ändern.

Fibromyalgie bald durch Test nachweisbar?

Welche Moleküle im Blut und in der Haut bei Fibromyalgie verändert vorkommen, wollen Professor Nurcan Üçeyler und Dr. Christoph Erbacher von der Neurologischen Klinik des Uniklinikums Würzburg wissen. Sie untersuchten dafür das Blut und Hautproben von 53 Patientinnen mit Fibromyalgie sowie von 34 Gesunden und 15 Frauen mit schweren Depressionen und chronischen Schmerzen.

Bei Fibromyalgie verändern sich den Ergebnissen der Tests zufolge die Konzentrationen kleiner Ribonukleinsäure (RNA)-Moleküle im Blut und in den Hautzellen. Sogenannte Micro-RNAs und Fragmente von Transport-RNAs (tRNA) wiesen die Forschenden mithilfe moderner Sequenzierungsverfahren im Blut und in Stanzproben der Haut nach.

Betroffene von Fibromyalgie wiesen mehr dieser Moleküle auf als Gesunde. Die Menge an Micro-RNAs und tRNA-Fragmenten lieferte Hinweise auf die Schwere der Symptome bei Fibromyalgie. Die Würzburger hoffen, eines Tages einen Test entwickeln zu können, der bei der Diagnostik hilft.

Betroffene von Fibromyalgie brauchen sichere Diagnostik

Dass bei Fibromyalgie RNA-Moleküle eine Rolle spielen, könnte nicht nur bei der Diagnostik helfen. Es könnte auch dazu beitragen, die Erkrankung besser zu verstehen. Die Würzburger konnten zeigen, dass bestimmte RNAs, die im Blut von Fibromyalgie-Patientinnen gefunden wurden, an der Regulation von Immunprozessen beteiligt sind. Die in Hautzellen gefundenen kleinen RNAs könnten mit bereits bei Fibromyalgie beschriebenen Nervenschädigungen in Zusammenhang stehen, die dazu führen, dass schon leichte Berührungen als schmerzhaft wahrgenommen werden.

Bisher ist es schwierig und langwierig, eine Fibromyalgie sicher festzustellen, und noch schwieriger, sie adäquat zu behandeln. Vieles beruht auf Ausschlussdiagnosen, Betroffene werden oft nicht ernst genommen. Das erhöht den Leidensdruck zusätzlich. Die Beschwerden bei Fibromyalgie kann man nur symptomatisch behandeln, weil die Ursachen bisher nicht klar bekannt sind. Der Test, den Üçeyler und Erbacher in Zukunft entwickeln wollen, könnte auch hier helfen, indem mögliche der Erkrankung zugrunde liegende Prozesse besser verstanden werden.

Das fehlt noch zum Fibromyalgie-Test

Dafür ist es aber nötig, weitere Untersuchungen in einer größeren Kohorte und auch bei Männern vorzunehmen. Diese wurden bisher nämlich nicht in die Studien eingeschlossen. Sollten die Ergebnisse sich auf andere Betroffene von Fibromyalgie übertragen lassen, könnte auf dieser Grundlage ein Test entwickelt werden. Dieser dürfte dann die Diagnostik und Behandlung revolutionieren.

Quellen:
https://www.med.uni-wuerzburg.de/aktuelles/meldungen/single/news/fibromyalgie-objektiv-diagnostizieren/
https://journals.lww.com/pain/fulltext/9900/altered_blood_and_keratinocyte_microrna_transfer.784.aspx 

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