Menstruationsbeschwerden und PMS
PTA-Fortbildung

Menstruationsbeschwerden: Ausnahmen von der Regel

Die Menstruation gibt im Leben einer Frau lange Zeit den Takt an. Nur bei den wenigsten läuft sie problemlos ab. Die Liste der Beschwerden ist lang – Zyklusstörungen, Dysmenorrhö, PMS sind nur einige. Was können Sie empfehlen?

22 Minuten

Prämenstruelles Syndrom – Die Tage vor den Tagen

Jeder dritten Frau bereiten in der zweiten Zyklushälfte verschiedene körperliche und psychische Beschwerden Monat für Monat immer wieder Probleme:

  • Heißhunger auf Süßes,
  • Magen-Darm-Probleme,
  • Hautunreinheiten,
  • Reizbarkeit,
  • Stimmungsschwankungen,
  • schmerzhafte Wassereinlagerungen in der Brust (Mastodynie),
  • Kopf-, Unterleibs- und Rückenschmerzen

– das sind nur die häufigsten der 150 bekannten Symptome eines Prämenstruellen Syndroms (PMS). Prägen auffällig starke psychische Symptome das Beschwerdebild, dann spricht man von einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS), einer besonders schwerwiegenden Form der PMS.

Während die Beschwerden bei einer Dysmenorrhö kurz vor Beginn der Menstruation einsetzen und diese zu Anfang begleiten, verschwinden sie beim PMS mit dem Einsetzen der Blutung.

Typischerweise treten die Beschwerden rund fünf bis sieben Tage vor Menstruationsbeginn auf und verschlimmern sich meist zunehmend, um mit dem Beginn der Regel wieder abzuklingen. Junge Frauen leiden seltener, besonders häufig sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren von dem zyklusabhängigen Phänomen betroffen.

Meist äußern sich nur wenige der Symptome leicht und an wenigen Tagen. Bei etwa fünf Prozent der Betroffenen sind die Beschwerden aber so stark, dass sie arbeitsunfähig sind.

Aufgrund der Symptomvielfalt ist die Diagnosestellung nicht immer einfach und letztendlich eine Ausschlussdiagnose. Sie wird gestellt, wenn andere Erkrankungen (z. B. Myome, Endometriose, Schilddrüsenfehlfunktion, Depression) oder hormonelle Veränderungen (z. B. Beginn der Wechseljahre) mit ähnlichen Beschwerdebildern als Ursache ausgeschlossen werden können.

PMS und PMDS

Das Prämenstruelle Syndrom (PMS) ist ein wissenschaftlich anerkannter Symptomkomplex, es stellt aber keine eigenständige Erkrankung dar. Hingegen ist die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS) als schwerwiegende Sonderform der PMS offiziell als Krankheit anerkannt.

Die Beschwerden des PMS werden grundsätzlich in körperliche und psychische Symptome unterschieden. Daneben teilt man sie in vier folgende Kategorien ein:

  • PMS-H-Hydratisierung: Wassereinlagerungen und Ödeme, Gewichtszunahme
  • PMS-A-Anxiety: Angstzustände, Nervosität, Reizbarkeit
  • PMS-C-Craving: Heißhunger auf Süßes, vermehrter Appetit, Migräne
  • PMS-D-Depression: depressive Verstimmungen, Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit.

Begleitet wird das zyklusabhängige Phänomen häufig noch von einer Zunahme des Brustumfangs, Blähungen, Erschöpfungszuständen und einer verminderten Leistungsfähigkeit.

Hormone und Transmitter im Chaos

Man geht davon aus, dass es sich um eine multifaktoriell bedingte Störung handelt, bei der die Hormonveränderungen der Sexualhormone in der zweiten Zyklushälfte einen besonderen Stellenwert einnehmen. Möglicherweise reagieren die Betroffenen besonders empfindlich auf die abfallenden Östrogenspiegel beziehungsweise steigenden Progesteronwerte. Zudem scheinen diese mit bestimmten Neurotransmittersystemen zu interagieren, wobei Serotonin und Prolaktin das Geschehen dominieren.

  • So kommt es bei Frauen mit PMS in der zweiten Zyklushälfte zu einer Fehlregulation des Serotoninstoffwechsels im zentralen Nervensystem, die einen erniedrigten Serotoninspiegel und damit einhergehende psychische Symptome auslöst.
  • Die Prolaktinwerte scheinen hingegen erhöht zu sein. Die Hyperprolaktinämie bewirkt eine verstärkte Durchblutung und regt das Wachstums des Brustdrüsengewebes an, woraus ein Spannungsgefühl und Schmerzen in der Brust (Mastopathie) resultieren.

Schließlich scheinen auch eine genetische Disposition sowie die psychosoziale Situation und die Lebensgewohnheiten der Frau eine Rolle zu spielen. Vor allem sollen Stress, eine ungünstige Ernährung (z. B. zu viel Zucker, Coffein, Alkohol, Nicotin) und mangelnde Bewegung PMS-Beschwerden verstärken oder begünstigen.

PMS-Tagebuch

Raten Sie betroffenen Frauen, zur Objektivierung der Symptome einen „Regelkalender“ zu führen, in dem sie mindestens über zwei bis drei Monate die Beschwerden, ihre Stärke und den zeitlichen Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus sowie anderen Begleitumständen wie Ernährung oder Aktivitäten festhalten.

×