Menstruationsbeschwerden: Ausnahmen von der Regel
22 Minuten
- 1Über den Zyklus
- 2Zyklusstörungen
- 3PMS & PMDS
- 4Selbstmedikation
- 5Pflanzliche Alternativen
- 6Hormontherapie
- 7Weitere Optionen
- 8PCOS & Endometriose
- 9Lernerfolgskontrolle
01. Mai 2025
Hormonell eingreifen

Sind die Möglichkeiten zur Behandlung von Zyklusunregelmäßigkeiten sowie von Beschwerden, die im Zusammenhang mit einer Dysmenorrhö oder einem PMS stehen, im Rahmen der Selbstmedikation ausgeschöpft, können hormonelle Kontrazeptiva (die „Pille“) eine Alternative sein. Sie sind insbesondere für Frauen geeignet, die zusätzlich hormonell verhüten möchten.
Es werden sowohl kombinierte orale Kontrazeptiva als auch reine Gestagen-Pillen verordnet. Beide Varianten stören den regelhaften Aufbau des Endometriums, sodass weniger Schleimhaut abgeblutet werden muss, was mit abgeschwächten Blutungen einhergeht. Zusätzlich hemmen die Pillen die Prostaglandin-Produktion, sodass die Menstruation weniger schmerzhaft ausfällt.
Bei den Gestagen-Pillen wird sogar häufig gar keine Blutung mehr ausgelöst. Von Vorteil ist auch ihr geringerer negativer Einfluss auf das Gerinnungssystem, sodass sie ein niedrigeres Thromboserisiko als die kombinierten Pillen aufweisen.
Hormonelle Kontrazeptiva stabilisieren zudem den Zyklus. Natürliche Schwankungen der Sexualhormone werden reduziert, was sich beispielsweise bei Frauen mit PMS günstig auswirkt. Vor allem ermöglichen einphasige Kombinationspräparate über den gesamten Zyklus hinweg gleichmäßige Hormonspiegel.
Werden sie im Langzyklus-Schema eingesetzt, lassen sich die monatlichen Abbruchblutungen zudem vollständig auszuschalten. Davon profitieren besonders Frauen, die unter gynäkologischen Erkrankungen wie Endometriose, PCOS oder Myomen leiden, bei denen weder Hormonschwankungen noch Blutungen erwünscht sind.
Bei einer Endometriose wird neben der Verordnung kombinierter Kontrazeptiva im Langzeitzyklus zudem die kontinuierliche Gabe von Dienogest praktiziert. Das Gestagen ist als Monopräparat für diese Indikation explizit zugelassen, da es das Wachstum von Gebärmutterschleimhaut intra- und extrauterin wirkungsvoll hemmt.
Damit wirkt es ähnlich wie die ebenfalls bei Endometriose eingesetzten Gonadotropin-Releasing-Hormon-(GnRH)Analoga (z. B. Elagolix, Nafarelin). Sie blockieren die Ausschüttung des Follikel stimulierenden Hormons (FSH) aus der Hypophyse, wodurch die Östrogenproduktion in den Eierstöcken und damit der Aufbau des Endometriums unterdrückt wird. GnRH-Analoga werden als Nasenspray oder per Injektion appliziert. Allerdings eignen sie sich nur für die kurzfristige Anwendung (sechs Monate). Denn die Patientin entwickelt durch den Östrogenmangel klimakterische Symptome, was mit einer Verringerung der Knochendichte einhergehen kann.
Für Frauen mit PCOS werden kombinierte Pillen mit Gestagenen präferiert, die eine antiandrogene Aktivität besitzen. Dazu zählen beispielsweise Drospirenon, Chlormadinon, Dienogest und Nomegestrol. Die Gestagene lindern starke Akne, Seborrhoe oder Androgenisierungserscheinungen, wie sie bei einem PCOS typisch sind. Drospirenon wirkt sich darüber hinaus bei Frauen mit Wassereinlagerungen im Rahmen eines PMS günstig aus, da das Gestagen zudem über antimineralocorticoide Eigenschaften verfügt. Allerdings sind diese Gestagene mit einem höheren Thrombose- und Embolie-Risiko als andere Gestagene verbunden.