Rezepturvorschläge
STATINE – JETZT AUCH ALS CREME
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Statine begegnen PTA in der Apotheke als Fertigarzneimittel in Form von Tabletten tagtäglich. Seit 2024 könnte allerdings auch eine neue Applikationsform von Statinen auf Rezepten auftauchen. Der eine oder andere könnte erst mal stutzig werden. Denn die Universitätsklinik Freiburg hat eine Creme mit Statinen zur Behandlung von Prokeratosen entwickelt und getestet.
Die entsprechenden Rezepturvorschläge wurden im vergangenen Jahr in den NRF (Neues Rezeptur Formularium)-Rezepturenfinder aufgenommen. Dort lassen sich die Zusammensetzung, Herstellung und Angaben zur Stabilität der Cremes finden.
Woher man Statine kennt
Statine sind allen Pharmazeuten bekannt. Sie gehören zu den Mitteln der Wahl bei Volkskrankheiten wie zum Beispiel der koronaren Herzkrankheit. Entsprechend oft begegnen sie den PTA in der Apotheke auf Rezepten als Tabletten oder Filmtabletten.
Statine hemmen das Enzym HMG-CoA-Reduktase. Dieses stellt das Schlüsselenzym in der körpereigenen Cholesterol-Synthese in der Leber dar. Als Folge dieser Hemmung sinken die LDL- und Gesamt-Cholesterolspiegel im Blut. Auch die Triglycerid-Konzentration wird gesenkt. Außerdem steigt die HDL-Konzentration.
Durch diesen Wirkmechanismus können Ablagerungen in unseren Gefäßen reduziert und verzögert werden. Das Risiko für Arteriosklerose und kardiovaskulären Erkrankungen sinkt. So werden im Falle von Erkrankungen wie Hyperlipidämien oder der koronaren Herzkrankheit die Morbidität und Sterblichkeit gesenkt.
Mehr zu Statinen:
Neue Indikation für Statine: Was genau ist eine Prokeratose?
Die Prokeratose ist eine Hauterkrankung, der eine Verhornung der Epidermis zugrunde liegt.
Als Ursache wird vermutet, dass sich Zwischenprodukte der körpereigenen Cholesterol-Synthese vermehrt ablagern und dadurch entzündliche Veränderungen auf der Haut entstehen.
Zudem wird zusätzlich von einem Cholesterol-Mangel ausgegangen. Dieser führt dazu, dass die Korneozytenmembran, also die oberste Schicht der Epidermis, nicht korrekt gebildet wird.
- In den neuartigen Cremes soll das Statin also die vermehrte Ablagerung der Zwischenprodukte, die bei der Cholesterol-Synthese entstehen, unterbinden.
- Der Zusatz von Cholesterol dient dazu, den Cholesterol-Mangel auszugleichen.
Die Rezepturvorschläge und ihre Herstellung
Da es keine Fertigarzneimittel mit Statinen zur topischen Anwendung gibt, besteht der Bedarf an Rezepturarzneimitteln. Im Rezepturenfinder des NRF lassen sich zwei Vorschläge für Cremes mit Simvastatin beziehungsweise Lovastatin finden. Beide Cremes beinhalten jeweils als Wirkstoff ein Statin sowie Cholesterol.
Simvastatin-Rezepturvorschlag 1
Simvastatin Tabletten 80 mg | 25 Stück |
Cholesterol | 2,0 g |
Konserviertes Wasser |
|
Unguentum Cordes® | aa ad 100,0 g |
In der ersten Rezeptur (Cholesterol 2 % – Simvastatin 2 % – konserviertes Wasser – Unguentum Cordes®) werden das Statin und Cholesterol in Unguentum Cordes® eingearbeitet. Hergestellt werden kann mit einem automatischen Rührsystem oder in der Fantaschale.
Bei der Verwendung des automatischen Rührsystems werden die Tabletten in einer Fantaschale mit dem konservierten Wasser übergossen. Mit einem Pistill wird das Gemisch gerührt, bis die Tabletten komplett zerfallen und suspendiert vorliegen.
In einer passenden Spenderdose wird nun die Creme-Grundlage eingewogen. Cholesterol und das Wasser-Simvastatin-Gemisch werden zur Grundlage ergänzt. Die Bestandteile werden dann nach den Parametern des Rührgeräteherstellers zu einer Creme vereint.
Die Herstellung in der Fantaschale gestaltet sich etwas aufwendiger. Auch hier werden die Tabletten wie oben beschrieben mit konserviertem Wasser suspendiert. Cholesterol und Unguentum Cordes® werden im nächsten Schritt aufgeschmolzen. Die auf circa 40 Grad Celsius erwärmte Tablettensuspension wird in die geschmolzene Grundlage eingearbeitet. Der Rezepturansatz wird bis zum Erkalten gerührt. Zum Schluss wird verdunstetes Wasser ergänzt und es wird erneut bis zur Homogenisierung gerührt.
Simvastatin-Rezepturvorschlag 2
Simvastatin Tabletten 80 mg | 25 Stück |
Cholesterol | 2,0 g |
Gereinigtes Wasser | 16,0 g |
Propylenglycol | 4,0 g |
Basiscreme DAC | ad 100,0 g |
In der zweiten Rezeptur (Simvastatin 2 % – Cholesterol 2 % – Basiscreme DAC) werden die Wirkstoffe in Basiscreme DAC eingearbeitet. Hierzu werden die Tabletten in einer Fantaschale mithilfe eines Pistills zerkleinert. Das gereinigte Wasser wird hinzugegeben. Durch Rühren entsteht eine dickflüssige Suspension.
Im Anschluss wird Propylenglycol ergänzt. Danach wird der zweite Wirkstoff Cholesterol eingerührt. Zum Schluss folgt die Basiscreme DAC. Es wird so lange gerührt, bis die Grundlage und die Suspension komplett emulgiert sind.
Stabilität und Haltbarkeit der Simvastatin-Creme
Durch den Zusatz von konserviertem Wasser beziehungsweise Propylenglycol sind die beiden Rezepturvorschläge mikrobiologisch stabil.
Besonders Simvastatin ist hydrolyse- und oxidationsempfindlich. Bei beiden Rezepturen zeigen Stabilitätsdaten des Universitätsklinikums Freiburg, dass der Gehalt von Statin und Cholesterol nach drei Monaten noch bei über 90 Prozent liegt. Es gilt für beide Rezepturvorschläge eine Aufbrauchfrist von drei Monaten.
Während des Lagerungszeitraums konnte eine gelbliche Verfärbung der Cremes festgestellt werden. Diese liegt aber nicht an unzulässigen Zersetzungen in den Cremes. Auch diese Erkenntnis ist auf die Stabilität beider Rezepturvorschläge anwendbar.
Keine Angst vor neuen Rezepturvorschlägen
Diese neuartigen Rezepturvorschläge sind beim ersten Kontakt im Handverkauf sicher einigen unbekannt. Jede PTA kann sich jedoch nach ausreichend Recherche und Vorbereitung an die Herstellung herantrauen. Gerade bei diesen neuen und innovativen Rezepturen, die aus Kliniken stammen, sollte es jedem Pharmazeuten eine Freude sein, im wahrsten Sinne des Wortes mitmischen zu können.
Quellen:
https://register.awmf.org/assets/guidelines/nvl-004l_S3_Chronische-KHK_2024-09.pdf;23.01.2025
Mutschler, E. et.al. (2013); Mutschler Arzneimittelwirkungen, Pharmakologie, klinische Pharmakologie, Toxikologie (10. Auflage); Wissenschaftliche Vertragsgesellschaft Stuttgart; S. 496 ff.
https://flexikon.doccheck.com/de/Porokeratose
https://www.gd-online.de/german/veranstalt/images2023/2023_24.GD_.JT_2023_ABSTRACTS_Teil_6_G_Ojak.pdf
https://ojrd.biomedcentral.com/articles/10.1186/1750-1172-9-33
Rezepturenfinder NRF „Cholesterol 2 % - Simvastatin 2 % - Basiscreme DAC“
Rezepturenfinder NRF „Cholesterol 2 % - Simvastatin 2%- konserviertes Wasser- Unguentum Cordes®“
NRF Rezepturtipp der Woche 27/2024
NRF Monografie „Simvastatin“; Stand 30.10.2024