Placebo-Effekt | Täuschung
SCHEINMEDIKAMENTE WIRKEN BEI BEWUSSTER EINNAHME
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Das Ergebnis der Metaanalyse zeigt: „Die bewusste Einnahme eines Placebos mag zwar etwas verrückt erscheinen, aber sie hat in diesen Studien gewirkt – und damit die gezielte Täuschung der Patienten unnötig gemacht“, sagt Professor Dr. Stefan Schmidt, Leiter der Sektion Systemische Gesundheitsforschung an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Er ergänzt:
Wir konnten erstmals wissenschaftlich gesichert zeigen, dass auch offen verabreichte Placebos wirksam sein können.
Anstelle der gezielten Täuschung könnten also offen verabreichte Placebos im Klinikalltag Anwendung finden, um zusätzliche Offenheit in die Beziehung zwischen Behandelnden und Patient*innen bringen. Dass sie wirken können, wurde schließlich belegt.
Sabrina Peeters,
Redaktionsvolontärin
Quellen:
https://idw-online.de/de/news763562
https://www.nature.com/articles/s41598-021-83148-6
Placebos, also Medikamente ohne pharmakologische Wirkstoffe, werden in klinischen Studien häufig als Vergleichsgröße hinzugezogen. Bisher war die Wirkung der Scheinmedikamente auf die Erwartung der Patienten zurückzuführen. Doch sie können auch Effekte erzielen, wenn die Studienteilnehmer*innen das Placebo wissentlich einnehmen. Das konnten Forschende aus dem Department für Psychische Erkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg nun belegen. Dafür verglichen sie 13 Studien mit insgesamt 834 Teilnehmern, bei denen Placebos bewusst eingenommen wurden.
Die in den einzelnen Studien behandelten Beschwerden unterschieden sich voneinander: Die Diagnosen reichten von Rückenschmerzen und Reizdarmsyndrom über Depression, Fatigue und ADHS bis zu Heuschnupfen und Hitzewallungen. Den Patienten war offen mitgeteilt worden, dass sie ein Placebo erhalten. Zudem wurden sie über die Wirkung informiert und um die regelmäßige Einnahme der Tabletten gebeten.